Jeux d’enfants 

12. Auf dem Ball (aus dem Zyklus zu Jeux d’enfants von Georges Bizet)

Dem Ende entgegen tanzen 

Über 7 Zeiten dem Ende entgegen tanzen, dem Erdmittelpunkt entgegen schwingen und niemals vergessen zu singen, lauthals singen und nicht müde werden vom Leben und Sterben, den ewigen Begleitern im Kreise ziehenden Wasserwirbel. 

Dem Erdmittelpunkt entgegen tanzen, die Seele umgarnen, gen Himmel Pirouetten drehen, abertausende Sternschnuppen zählen und sich nach den Sternen sehnen, ihr sanftes Leuchten durch den Körper fließen lassen, fluide werden, im wirbelnden Sternenstaub schwindlig und glücksbetrunken schweben. 

Durch die Weiten der 7 Zeiten gleiten, dem Herzschlag lauschen und ihn zum Beat des Lebens und Sterbens erheben. Mal im 3/4 Takt sich drehen, dann im 12/8 Takt synkopisch schnappatmend blind stolpern, Fermaten aushalten und Tremoli zelebrieren. Auskosten. Takt für Takt dem Ende entgegen tanzen und nicht müde werden, stets nach dem Weg des Glücks zu fragen, leichtfüßig darauf wandeln, im wolkengewebten Labyrinth Sackgassen probieren und sich dennoch nicht verlieren. 

Schwankend sicherer werdend im Rhythmus der 7 Zeiten dem Ende entgegen tanzen.

1871 komponierte Bizet seine Kinderstücke für Klavier zu vier Händen, zwölf romantische Miniaturen zu zwölf verschiedenen Kinderspielen. Die Musik ist typisch für Bizet tonmalerisch und bewahrt die französische Leichtigkeit. Von diesem Zyklus inspiriert habe ich zwölf poetische Miniaturen geschrieben, die aber über das typische Kinderspiel hinausgehen und einen Bogen durch das Leben spannen. Hier veröffentlicht die letzte Miniatur. 

Ruth Mairvongrasspeinten
Ruth Mairvongrasspeinten
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